Der 30. Geburtstag – nicht selten ist er Anlass für eine fette Party, auf
der man es noch einmal so richtig krachen lässt. Freunde schenken die erste
Faltencreme und machen sich über das Älterwerden lustig. So richtig ernst
meint es aber keiner. Warum eigentlich nicht? Darf man denn mit 30 nicht ins
Grübeln kommen? Ist das nur vor der vierten oder fünften Null erlaubt?
Schließlich macht sich das Älterwerden mit 30 das erste Mal bemerkbar: der
Körper verändert sich, der Satz „vor 10 Jahren“ hat plötzlich eine neue
Bedeutung und neue, ernstere Themen bestimmen den Alltag. Um die 30 klären
sich für junge Frauen die wichtigsten Fragen im Leben!
Heiraten, Kinderkriegen, weiter zur Miete wohnen oder Eigentum kaufen? Wieder
andere brechen auf zu einer Weltreise, schlagen im Job noch mal einen ganz
neuen Weg ein oder trennen sich vom langjährigen Partner. Die 30 ist ein
Einschnitt in die Biografie, an der man Bilanz zieht und sich fragt, was
wollte ich mal erreicht haben, wo stehe ich und wo geht die Reise hin?
Mit 30 fühlen sich junge Frauen heute irgendwie erwachsen aber doch jung.
„Ich merke das immer, wenn ich ausgehe“, erzählt die 29-jährige Evelyn. „Dann
frage ich mich immer, gehöre ich jetzt zu den Studenten, die da in der Kneipe
sitzen, oder bin ich die Berufstätige, die Erwachsenere. Und ich fühl mich
eigentlich dazwischen.“
Viele 30-Jährige leben heute ein jugendliches Leben, ohne wirklich Jugendliche
zu sein. Sie genießen die Flexibilität und ihre Freiheit. Und doch ist da
dieses ganz bestimmte Bild im Kopf. So hat sich Corinna, 29, das mit dem
Dreißigwerden mal ganz anders vorgestellt: „Früher hab ich immer gedacht: mit
30 hat man einen festen Job, man hat einen Lebensabschnittspartner oder sogar
einen Ehemann, man hat viele Kinder, vielleicht wohnt man sogar schon in einem
Häuschen. Einfach so eine klassische Vorstellung.“
So wie in der Müttergeneration. Für Frauen war damals mit 30 häufig schon
alles in trockenen Tüchern: sie hatten geheiratet, Kinder bekommen und
vielleicht sogar ein Häuschen gebaut. Frauen sind häufig ins Rollenbild
gefallen. Und ein ähnliches Bild geistert noch heute irgendwie in den Köpfen
junger Frauen. Man muss gewisse Dinge einfach erledigt haben.
Das gilt auch für den Job. Bianca ist 32 Jahre alt. Ihr 30. Geburtstag war für
sie lange ein Fluch. Denn sie steckte noch mitten im Studium. „30 zu werden
und noch Studentin zu sein, das passte für mich nicht zusammen. Das war nicht
die Vorstellung, die ich vom Dreißigwerden hatte“.
Einen Mann an der Seite, etwas im Job erreicht haben, einen Ort finden, an
dem man sich niederlässt, wissen, was man eigentlich vom Leben will - das sind
Dinge, über die Frauen vor ihrem 30. Geburtstag nachdenken.
Es ist nicht so, als verspürten junge Frauen einen Druck, all das wirklich
erfüllt haben zu müssen, aber es fühlt sich für viele Frauen komisch an, wenn
sie kurz vor dem 30. Geburtstag nicht einmal wissen, in welche Richtung es mal
gehen wird.
Dabei ist genau die Antwort auf diese Frage schwieriger geworden. Jungen
Frauen stehen heute viele Möglichkeiten offen. Sie können Karriere machen, ins
Ausland auswandern, Mutter werden, noch einmal neue Wege einschlagen. Junge
Frauen sind es gewohnt, sich alles offenzuhalten. Gleichzeitig sollen sie sich
frühzeitig um die Rente kümmern und mehr Kinder zur Welt bringen. Es ist nicht
ganz leicht, heute die Antwort auf die Frage „Was will ich eigentlich im
Leben?“ zu finden und der 30. Geburtstag bringt das ganze Durcheinander
schlagartig auf die Agenda.
Und bei all der Flexibilität gibt es eine Sache, die sich nicht verschieben
lässt. Und der unterscheidet den 30. Geburtstag einer Frau von dem eines
Mannes enorm: rein biologisch ist jetzt das Alter erreicht, bei dem Frauen
sich Gedanken machen müssen: Will ich mal Kinder haben oder nicht? Wenn ja,
wann und vor allem mit wem? Gerade Singles geraten unter Druck, wenn sie an
ihrem 30. Geburtstag allein dastehen. Ab jetzt wird auch die Männersuche
anders, meint Corinna: „Man checkt schon unbewusst eher ab, ist das der Mann
mit dem ich mal Kinder kriegen will, will ich den vielleicht mal heiraten?“
Auf der anderen Seite ist auch eine erstaunliche Ruhe zu beobachten. Zwar
beginnen die Gedanken sich um die Kinderfrage zu kreisen, aber Dreißigjährige
sehen das noch sehr entspannt. Evelyn hat beobachtet, dass sich der wirkliche
Druck erst später aufbaut: „Ich weiß, dass die neue 30 eigentlich die 35 ist,
weil die biologische Uhr dann lauter tickt.“
Und schließlich gibt es ja auch noch die Frauen, die am 30. Geburtstag schon
verheiratet sind und Kinder haben. Daniela wird dieses Jahr 30, ist
verheiratet und hat einen fünfjährigen Sohn. Trotzdem würde sie am liebsten
wegfahren am Geburtstag: „Ich habe ja vieles, was andere in meinem Alter noch
gar nicht erreicht haben. Und ich frage mich nun, was denn jetzt noch kommen
kann!“
Es ist also egal, an welcher Stelle eine Frau gerade im Leben steht. Der 30.
Geburtstag ist ein Einschnitt und ein Anlass, sich selbst unter die Lupe zu
nehmen.
Birgit Schlieper:
„Zone 30 – Frauen werden nicht älter. Frauen werden besser.“
Knaur-Verlag, ISBN 978-3-426-62864-5
Kein Ratgeber im klassischen Sinne – eher eine Lektüre zum Querlesen und
Schmunzeln. Ein Buch, in dem sich gerade die Frauen wiederfinden werden, bei
denen noch nicht „alles in trockenen Tüchern“ ist. Macht Spaß!